Macht des Glück an Seitensprung,
brauch'sch die TIROLER VERSICHERUNG

TIROLER VERSICHERUNG stellt sich ihrer Geschichte

Historiker Nikolaus Bliem und TIROLER Vorstand Franz Mair (v. l.). Bildnachweis: TIROLER/Reiter

In einem drei Jahre andauernden Projekt hat der Historiker Nikolaus Bliem die Nazizeit in der TIROLER VERSICHERUNG, damals Tiroler Landes-Brandschaden-Versicherungsanstalt, aufgearbeitet. Daraus entstanden ist das Buch „Betriebsführer und Gefolgschaft“. Beauftragt hat die Forschungen die TIROLER selbst. Begleitet wurde die Studie unter anderem von Dirk Rupnow, Professor für Zeitgeschichte an der Innsbrucker Leopold-Franzens-Universität.

„In all unseren Festschriften wurde die Nazizeit bisher mit wenigen Sätzen abgetan: ,Eine dunkle Zeit, der Direktor inhaftiert, ein Nazi übernahm die Leitung …‘ Mehr war kaum zu lesen. Mir war das immer zu wenig. Aber sowohl in unserem Unternehmensarchiv wie auch in öffentlichen Quellen war nichts Nennenswertes über die TIROLER in dieser Zeit zu finden“, erklärt Franz Mair, Vorstand der TIROLER, die Beweggründe für den Forschungsauftrag.

Bliems Quellen lagen im Keller der TIROLER Zentrale in der Innsbrucker Wilhelm-Greil-Straße: in erster Linie Korrespondenzen, aber auch Schadenmeldungen, Verträge und Personalakten – insgesamt 34 Archivkisten. Die TIROLER VERSICHERUNG machte ihm dieses Material ohne Einschränkungen zugänglich und unterstützte die Forschungsarbeit.

Die Resultate hat Nikolaus Bliem nun in dem Buch „Betriebsführer und Gefolgschaft“ veröffentlicht.

 

Auszüge aus den Forschungsergebnissen:

Personalpolitik unter den Nazis

Der Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland hatte für das Unternehmen vor allem personelle Konsequenzen: Der Direktor Josef Dobin wurde abgesetzt und durch den parteitreuen Ekkehard Pesendorfer ersetzt. „Dieser hatte die Aufgabe, einerseits das Unternehmen am Laufen zu halten, andererseits ,Säuberungen‘ durchzuführen. Ich habe jedoch keine Hinweise auf gekündigte jüdische Mitarbeiter*innen gefunden, die Entlassenen waren politische Gegner*innen“, fasst Bliem die damalige Personalpolitik zusammen. Hier zeigen sich Handlungsspielräume, denn Personalentscheidungen trafen nicht ausschließlich die Stellen der NSDAP, sondern auch das Unternehmen übte großen Einfluss durch Interventionen. „Es zeigt sich, dass bei den Anträgen für Unabkömmlichkeitsstellungen Härte, aber auch Milde waltete. Dem Unternehmen nützlichen Personen kam man entgegen“, so Bliem.

 

Jüdische Versicherungsnehmer*innen

„In der Pogromnacht am 9. November 1938 kam es in Innsbruck – gemessen am Anteil der Jüdinnen und Juden an der Gesamtbevölkerung – zu den grausamsten und blutigsten Verbrechen im gesamten Deutschen Reich. Deshalb hat mich vor allem die Schadenliste des Jahres 1938 interessiert. Doch dort war nichts zu finden“, so Bliem. Dirk Rupnow, Professor für Zeitgeschichte, hat das Projekt mitbetreut und fügt hinzu: „Das kann unterschiedliche Gründe haben. Zum einen ist es möglich, dass jüdische Versicherungsnehmer*innen systematisch davon abgehalten wurden, Schadenzahlungen geltend zu machen. Es ist aber auch möglich, dass es keine jüdischen Versicherungsnehmer*innen bei der TIROLER gab. Der jüdische Anteil an der Gesamtbevölkerung war in Tirol sehr gering und hauptsächlich im urbanen Raum zu finden, wo die TIROLER den geringsten Marktanteil hatte.“

Der TIROLER Vorstand bedankt sich für die wissenschaftliche Aufbereitung. Zugleich hofft der heimische Versicherer, dass die Buch-Veröffentlichung womöglich weitere Dokumente (aus Privatarchiven) auftauchen lässt. „Das vorhandene Material macht eine bedenkliche Lücke in der Unternehmensgeschichte deutlich kleiner, auch wenn nach rund 80 Jahren wohl immer Fragen offen bleiben werden“, meint Franz Mair abschließend.

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